Chronik

Die St.-Anna-Realschule, Stadtlohn, war bis zum 31. Dezember 1990 Teil des ANNASTIFTES in Stadtlohn, das von seinen Anfängen an durch verschiedene Schulformangebote stets vom Schulleben geprägt war.

Am 19. 04. 1900 kamen vier Schwestern von der Göttlichen Vorsehung, Münster, nach Stadtlohn. Sie übernahmen am 01. 05. 1900 die neu eröffnete sog. Töchterschule und eine Bewahrschule für 50 Kinder in den Räumen des Vanderbeckschen Hauses. Kurze Zeit später wurde eine "Handarbeitsschule" und für arbeitende Frauen eine "Sonntagsschule" eingerichtet.

1902 bezog man einen Neubau an der Garvertmeere. In Laufe der Jahre kamen weitere Schulformen dazu, u.a. 1918 die "Vorschule" für Jungen und Mädchen ab dem 1. Schuljahr,
1928 die "Städtische Berufsschule", die 1941 der Kreisberufsschule angeschlossen wurde.

Bis 1929 gehörte das Haus des Annastiftes dem jeweiligen Pfarrer von Stadtlohn und unterstand einem Kuratorium. Am 19. 04. 1929 übergab Dechant Reismann das Haus an die Ordensgemeinschaft der Schwestern von der Göttlichen Vorsehung.

Im Laufe der 90er Jahre haben die politischen Systeme gewechselt und die Herausforderungen der Zeit sich gewandelt. Infolgedessen verloren manche Schulformen ihre Notwendigkeit bzw. wurden durch verschiedene Neuordnungen so umgewandelt, dass sie im Annastift nicht mehr untergebracht werden konnten.

Die St.-Anna-Realschule überdauerte alle schulischen und politischen Veränderungen. 1932 erhielt sie die staatliche Anerkennung als Mädchenmittelschule. Am 23. 09. 1944 wurde die Schule geschlossen und die Gebäude vom Militär belegt. Am 21. 03. 1945, dem schwarzen Tag von Stadtlohn, wurden Schule und Haus zu 80 % durch Spreng- und Brandbomben bis auf die Umfassungsmauern zerstört. Dabei fanden sieben Schwestern und eine Lehrerin den Tod.

Aber schon einige Monate später gaben die Schwestern mit Hilfe der Militärbehörde in einem Blockhaus in Büren Privatunterricht, um den Schulausfall auszugleichen. Am 02. 05. 1946 wurde die Mädchenmittelschule wieder eröffnet. Sie erlebte in der Nachkriegszeit (1950 - 1970) eine stetig wachsende Nachfrage, so dass sie ab 1960 zweizügig geführt werden konnte. Mit dem Wiederaufbau gingen auch die Bauerweiterungen einher. Am 07. 10. 1955 konnte der erste Spatenstich für das neue Schulgebäude, und am 22. 12. 1956 die Einweihung des ersten Klassentraktes gefeiert werden.

Die Vorsehungsschwestern, die seit 1900 in der Unterrichtstätigkeit standen, haben versucht, sich den Veränderungsprozessen und den Notrufen der Zeit zu stellen, die pädagogischen Aufgaben zu überprüfen und sich auf neue Wege einzulassen. Um u.a. weiterhin die Zweizügigkeit zu gewährleisten, ein differenziertes, gutes Unterrichtsangebot zu haben und die Fakten bei einer Elternbefragung zu berücksichtigen, wurde mit dem Schuljahr 1990/91 die Koedukation an der St.-Anna-Realschule eingeführt.

Anfangs gab es an der St.-Anna-Realschule ein Kollegium, das nur aus Ordensfrauen bestand. Die erste weltliche Lehrkraft wurde während der NS-Herrschaft eingestellt, als es den Ordensfrauen untersagt war, staatsbürgerlichen Unterricht zu erteilen. Nach dem 2. Weltkrieg und gemäß des Vaticanum II wurde es immer selbstverständlicher, mit Laienlehrkräften zusammenzuarbeiten. Als die letzte unterrichtende Vorsehungsschwester aus dem Schuldienst ausschied, übernahm Herr Rektor Schweins am 01. 02. 1989 die Leitung der St.-Anna-Realschule in Stadtlohn.

Bis zum 31. 12. 1982 war die Rechtsträgerin der St.-Anna-Realschule die "Ordensgemeinschaft der Schwestern von der Göttlichen Vorsehung, Rheinische Ordensprovinz e.V., Kevelaer, Friedensstraße 45". Dann wurde der Name geändert. Er lautete ab 01. 01. 1983 "Sozialeinrichtungen der Ordensgemeinschaft e.V., Kevelaer, Friedensstraße 45". Er wurde im Vereinsregister Geldern eingetragen.

Angesichts der begrenzten Möglichkeiten in der Rheinischen Ordensprovinz bemühte sich die Provinzleitung in vielen jahrelangen und vielseitigen Verhandlungen, die Trägerschaft auf einen neuen Verein zu übertragen. Dabei ging es ihr im Wesentlichen darum, dass der Geist des katholischen Bildungsideals weiterhin dem jungen Menschen im Schulalltag in einem ganzheitlichen Bildungs-, Erziehungs- und Lebensraum vermittelt werde. Auch das gute Einvernehmen zur Pfarrgemeinde St. Otger sollte fortgesetzt und eine Mitarbeit des Bistums Münster ermöglicht werden. Ein weiteres Anliegen war ihr, dass die Offenheit, die sie bei ihren Schulbelangen bei Stadt und Gemeinde von Stadtlohn erfahren hatte, z.B. bei der Koedukation, nicht geschmälert werde. Das Mitspracherecht der Eltern sollte ebenfalls berücksichtigt werden. Am 13. 09. 1990 wurde der neue Träger für die St.-Anna-Realschule gegründet. Seit dem 01. 01. 1991 ist die "St.-Anna-Realschule, Katholische Schule in freier Trägerschaft e.V." ihr Rechtsträger.

Mit der Übertragung von Grundbesitz und Gebäude des ANNASTIFTES an die Pfarrgemeinde St. Otger ist diese zum 01. 01. 1990 Eigentümerin der St.-Anna-Realschule geworden. Die Ordensgemeinschaft der Rheinischen Ordensprovinz, Kevelaer, hat sich damit endgültig aus ihrer jahrzehntelangen Bildungs- und Erziehungsarbeit an der Stadtlohner Jugend zurückgezogen.